Geschichte des Weinbaus im Kanton Neuenburg
Der Kanton Neuenburg blickt auf über tausend Jahre Weinbaugeschichte zurück. Bereits im Jahr 998 wird die Region erstmals urkundlich als Weinbaugebiet erwähnt, als Mönche der Abtei Bevaix Reben entlang des Sees anpflanzten – deren Wurzeln tief im Juragestein und in der Geschichte der Region liegen.
Im Mittelalter wuchs der Weinbau stark, besonders rund um die Dörfer Auvernier, Hauterive, Bevaix und Le Landeron. Die Hanglagen boten ideale Voraussetzungen für den Anbau edler Rebsorten, während der nahe See ein mildes Klima garantierte.

© Bild: Weinlese in Bôle, Ende 19. Jahrhundert. Quelle: Commune de Milvignes / Wikimedia Commons, Public Domain.
Diese lange Tradition prägt die Region bis heute. Noch immer ist die Verbindung von Handwerk, Natur und Geschichte spürbar – in jeder Weinflasche, die das Label AOC Neuchâtel trägt. Neuenburg ist zudem Teil des Drei-Seen-Landes, einer bedeutenden Weinlandschaft mit reicher Weinbautradition.
Weinbauregion Neuchâtel – Zwischen Juragestein und See
Die Weinbauregion Neuchâtel gehört zu den traditionsreichsten Weinlandschaften der Schweiz. Eingebettet zwischen dem Juragebirge und dem Ufer des Neuenburgersees prägt sie eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Klima und Terroir. Die Rebberge zeichnen sich durch ihre südöstliche Ausrichtung und ihre Lage am Jurasüdfuss aus, was den Reben optimale Wachstumsbedingungen bietet. Die Region bildet einen eigenständigen Bereich innerhalb des Schweizer Weinlands und ist Teil des charakteristischen Drei-Seen-Lands.
Mit einer Rebfläche von rund 600 Hektar gehört sie zwar nicht zu den grössten, aber zu den charakterstärksten Weinregionen des Landes – die begrenzte Fläche trägt wesentlich zur hohen Qualität der Weine bei. Hier entstehen Weine, die Eleganz, Finesse und Authentizität vereinen – von frischen Weissweinen bis zu ausdrucksvollen Pinot Noir.

© Swiss Wine Promotion – Weinbaugebiet Neuchâtel und seine Subregionen (rot eingefärbt)
Klima, Böden und Reben
Das Weinbaugebiet Neuchâtel profitiert von einem aussergewöhnlichen Mikroklima. Der Neuenburgersee wirkt temperaturausgleichend: Im Sommer kühlt er, im Winter speichert er Wärme. So reifen die Trauben gleichmässig, was den Weinen ihre feine Balance verleiht.
Die Böden aus Kalkstein und Juragestein sorgen für mineralische Frische und Finesse. In diesen Böden wurzeln die Reben tief, was den Weinen eine besondere, mineralische Note verleiht. Sie bilden den idealen Untergrund für verschiedene Rebsorten wie Pinot Gris, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und die traditionellen Chasselas-Reben. Die Vielfalt der angebauten Sorten spiegelt sich in der grossen Bandbreite der Weinstile wider, wobei jede Sorte ihre eigenen charakteristischen Eigenschaften einbringt.
Diese Kombination aus Boden, Klima und handwerklicher Tradition schafft Weine mit unverwechselbarem Charakter.

© Interprofession des Vins du Vully – Weinlese im Weinbaugebiet Vully
Le Landeron – Der nördlichste Weinort
Am nordöstlichen Ende des Neuenburgersees liegt der malerische Weinort Le Landeron. Le Landeron ist ein bedeutender Teil des Weinbaubereichs Drei-Seen-Land und gehört zu den wichtigsten Bereichen dieser Weinregion. Seine steilen Rebhänge zählen zu den schönsten im ganzen Kanton Neuenburg.
Die Winzerinnen und Winzer pflegen hier klein strukturierte Rebberge, in denen hauptsächlich Pinot Noir und Chasselas gedeihen. Der Einfluss des Sees und der Jurawinde sorgt für frische, aromatische Weine mit eleganter Struktur.
Le Landeron ist zudem bekannt für seine Weinveranstaltungen und die enge Gemeinschaft der Winzer, die ihre Leidenschaft seit Generationen weitergeben.

© Le Landeron, Ville West. Foto: Joachim Kohler / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Pinot Noir – Die rote Seele Neuchâtels
Der Pinot Noir ist die unangefochtene Hauptrebsorte der Weinbauregion Neuchâtel. Sie nimmt über die Hälfte der gesamten Rebfläche ein und verleiht der Region ihren unverwechselbaren Charakter. Neben dem klassischen Pinot Noir werden in Neuchâtel verschiedene Sorten und Klone dieser Rebsorte kultiviert, was die Vielfalt und Komplexität der Weine zusätzlich unterstreicht.
Die Reben gedeihen auf kargen, kalkhaltigen Böden aus Juragestein, die dem Rotwein Struktur, Eleganz und eine feine mineralische Note verleihen. Dank des gemässigten Klimas entwickeln die Pinot Noir-Trauben intensive Aromen von roten Beeren, Kirschen und Gewürzen, begleitet von einem langen, harmonischen Abgang, wobei der Pinot Noir aus Neuchâtel etwas besonders Feines und Elegantes aufweist.
In den besten Jahrgängen entstehen daraus Spitzenweine, die ohne Scheu mit den Gewächsen aus dem Burgund verglichen werden dürfen und die neuenburger Identität des Pinot Noir eindrucksvoll widerspiegeln.

Œil de Perdrix – Das berühmte Roséwein-Juwel
Kaum eine andere Spezialität ist so eng mit Neuchâtel verbunden wie der Œil de Perdrix, der „Rebhuhnauge“ bedeutet. Der Name Œil de Perdrix hat seinen historischen Bezug im Burgund, wo er ursprünglich verwendet wurde, und wurde später in der Neuenburger Weinlandschaft übernommen. Dieser feine Roséwein wird ausschliesslich aus Pinot Noir-Trauben vinifiziert.
Seine zarte lachsrosa Farbe entsteht durch den nur kurzen Kontakt zwischen Most und Beerenschalen. Der Wein vereint die Frische eines Weissweins mit der aromatischen Tiefe eines Rotweins.
Der Œil de Perdrix besticht durch Aromen von Erdbeeren, Himbeeren und zarten Blüten, eine elegante Struktur und einen leicht mineralischen Nachklang. Er gilt als Symbol der AOC Neuchâtel und ist bis heute ein Aushängeschild der Weinbauregion.

Non Filtré – Der unverfälschte Weisswein
Eine weitere Spezialität ist der Non Filtré, ein naturtrüber Chasselas-Weisswein, der traditionell im Januar nach der Ernte abgefüllt wird.
Er wird – wie der Name sagt – nicht filtriert und bewahrt dadurch eine leichte Trübung, die seinen Charakter prägt. Diese Spezialität ist frisch, lebendig und von einer feinen Hefe-Note begleitet, was ihr etwas Besonderes verleiht.
Der Non Filtré symbolisiert die Authentizität der Region: unverfälscht, ehrlich und handwerklich. Jedes Jahr wird seine Veröffentlichung in Neuchâtel mit einem Fest gefeiert, das Einheimische und Weinliebhaber aus der ganzen Schweiz anzieht und die schweizer Identität dieses einzigartigen Weins unterstreicht.
Ausgewählter Winzer der Weinbauregion Neuchâtel
Château d’Auvernier – Edle Weine mit langer Geschichte
Das Château d’Auvernier, unweit der Stadt Neuchâtel, ist eines der renommiertesten Weingüter der Region. Seit dem 17. Jahrhundert steht es für Qualität, Stil und Authentizität.
Die Weine des Hauses spiegeln die Vielfalt des Terroirs wider – von eleganten Chardonnays über duftige Œil de Perdrix bis hin zu tiefgründigen Pinot Noir.
Die Verbindung von moderner Kellertechnik und klassischem Handwerk macht die Weine besonders langlebig und charaktervoll. Viele gelten heute als Referenzen für die gesamte Weinbauregion Neuchâtel.

© Château d’Auvernier
Caves Mauler – Meister des Schaumweins
Die Caves Mauler, ebenfalls in Auvernier gelegen, sind international bekannt für ihre edlen Schaumweine, die nach traditioneller Flaschengärung hergestellt werden.
Seit 1829 wird hier mit Sorgfalt und Präzision gearbeitet. Das Haus verbindet französisches Know-how mit der Identität des Kantons Neuenburg.
Neben klassischen Schaumweinen bietet Mauler auch elegante Stillweine, deren feine Perlage und aromatische Tiefe von den kalkhaltigen Böden und dem milden Klima profitieren.

© Caves Mauler – das Traditions-Weingut hat seinen Sitz im ehemaligen Benediktinerpriorat St-Pierre mitten in Môtiers
Weinbau mit Zukunft
Die Winzer des Kantons Neuenburg setzen heute auf Nachhaltigkeit, naturnahe Bewirtschaftung und Qualität. Viele Betriebe arbeiten biodynamisch und erhalten so die Fruchtbarkeit der Böden und die Vielfalt der Reben.
Tradition und Innovation gehen Hand in Hand: alte Traubensorten wie Gamaret, Garanoir oder Pinot Gris erleben eine Renaissance, während junge Winzerinnen und Winzer mit neuen Ideen die Zukunft gestalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Weinbauregion Neuchâtel
Welche Weine sind typisch für die Weinbauregion Neuchâtel?
Vor allem Pinot Noir, Chasselas, Œil de Perdrix und der naturtrübe Non Filtré prägen das Bild der Region.
Wo liegt das Weinbaugebiet Neuchâtel?
Die Weinberge erstrecken sich entlang des Nordufers des Neuenburgersees, von Vaumarcus bis Le Landeron, im Kanton Neuenburg.
Was ist das Besondere am Œil de Perdrix?
Der Œil de Perdrix ist ein Rosé aus Pinot Noir-Trauben. Seine zarte Farbe und fruchtige Frische machen ihn zu einer echten Spezialität.
Was bedeutet Non Filtré?
Der Non Filtré ist ein unfiltrierter Chasselas-Weisswein, der naturtrüb abgefüllt wird – ein authentischer Ausdruck der Weinregion Neuchâtel.