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Weinbauregion Thunersee – Reben am Alpenrand

Zwischen See, Sonne und Steilhängen entsteht charaktervoller Genuss

Diego Mathier

Januar 9, 2026 - 7 min Lesezeit

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Blick auf den Thunersee mit Weinbergen im Vordergrund und einer Ortschaft am Seeufer, umgeben von bewaldeten Hügeln und Bergen im Hintergrund.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einzigartige Lage & Klima: Die Rebberge erstrecken sich auf 560 bis 650 m ü. M. und zählen damit zu den höchstgelegenen Gebieten nördlich der Alpen; das Mikroklima wird durch den See als Wärmespeicher und den Föhn als natürlichen Trockner geprägt.

  • Geologie & Terroir: Die Böden bestehen aus einer mineralischen Mischung aus Kalkstein, Mergel und sandiger Molasse, was den Weinen ihre typische Eleganz, Struktur und feine Mineralität verleiht.

  • Rebsorten-Fokus: Während der Pinot Noir (Blauburgunder) als Hauptsorte dominiert, umfasst das Portfolio weisse Klassiker wie Riesling-Sylvaner sowie innovative, pilzwiderstandsfähige Sorten (PIWI) wie Johanniter oder Solaris.

  • Qualitätssicherung: Das AOC-Siegel (Appellation d’Origine Contrôlée) garantiert die strikte Einhaltung regionaler Standards, die Verwendung zugelassener Sorten und die authentische Herkunft aus Gemeinden wie Spiez, Thun, Oberhofen oder Hilterfingen.

  • Leitbetrieb Spiezer-Winzer: Die 1942 (als Genossenschaft) gegründete Rebbau Spiez bewirtschaftet rund 11 Hektar Rebfläche in spektakulären Steillagen mit bis zu 40 % Steigung, was intensive Handarbeit erfordert.

Weinbauregion Thunersee – Das alpine Herz der Deutschschweiz

Die Weinbauregion Thunersee gehört zu den charmantesten und zugleich kleinsten Weinlandschaften der Schweiz. Eingebettet zwischen glitzerndem Wasser und den mächtigen Gipfeln der Berner Alpen entstehen hier auf sonnigen Hängen elegante, fein strukturierte Weine. Die Nähe zum Thunersee prägt das Klima, während die Höhenlagen und die steilen Rebterrassen den Weinen eine unverwechselbare Frische verleihen. Die Höhen der Weinberge, die sich bis zu 650 m ü. M. erstrecken, sorgen für ein einzigartiges Mikroklima und beeinflussen die Reife sowie die Aromatik der Trauben massgeblich. Die Einzigartigkeit der Weinbauregion Thunersee zeigt sich im Zusammenspiel von See, Höhen und dem ausgleichenden Klima, was zu besonders charaktervollen Weinen führt. Die Weinberge rund um den Thunersees profitieren von der besonderen geografischen Lage, die ihnen ideale Bedingungen für den Anbau bietet. In den Gemeinden Spiez, Thun, Oberhofen und Hilterfingen, die als wichtige Standorte für den Weinbau am Thunersee gelten, werden diese regionalen Besonderheiten besonders deutlich.

Blick auf den Thunersee mit Weinbergen, einem Schloss und einer Kirche im Vordergrund sowie Bergen im Hintergrund.

Der Weinbau ist hier nicht nur Landwirtschaft, sondern gelebte Passion. Rund um Spiez, Thun, Oberhofen und Hilterfingen arbeiten Winzerinnen und Winzer mit grosser Hingabe daran, die Balance zwischen Natur, Handwerk und Qualität zu wahren. Das Ergebnis sind authentische Weine, die den Charakter dieser aussergewöhnlichen Landschaft widerspiegeln.

Weinkultur und Erlebnis

Wer die Weinbauregion Thunersee besucht, spürt sofort, wie stark der Wein hier zur Identität gehört. Die sanft terrassierten Rebberge, die Aussicht auf den See und die imposante Bergkulisse schaffen eine Atmosphäre, die unvergleichlich ist.

Weinwanderungen, Führungen durch die Rebbau Spiez Genossenschaft oder Degustationen in kleinen Weinkellern bieten Gelegenheit, den Weinbau hautnah zu erleben. Besonders reizvoll ist ein Spaziergang entlang der Reben im Herbst, wenn das Laub golden leuchtet und der See in tiefem Blau schimmert.

Hier zeigt sich der Wein als kulturelles Erbe – lebendig, zugänglich und voller Geschichten.

Weingläser und zahlreiche Korken liegen auf einem runden Holztisch mit Metallrand.

Klima und Landschaft – die Grundlage für Qualität

Der Thunersee liegt auf rund 560 Metern über Meer, und die meisten Rebberge steigen bis auf etwa 650 Meter an. Die Höhe der Weinberge beeinflusst das Mikroklima massgeblich, da sie für kühlere Nächte und eine langsamere Reifung der Trauben sorgt. Der See wirkt als natürlicher Wärmespeicher: Er reflektiert das Sonnenlicht auf die Reben, speichert Wärme während des Tages und gibt sie nachts wieder ab.

Blick auf den Thunersee mit Weinbergen und einer Bergkette im Hintergrund unter klarem Himmel.

Zusätzlich wirkt der Föhn, ein warmer Südwind aus den Alpen, wie ein natürlicher Trockner. Er fördert die Reife der Trauben und schützt die Reben vor Pilzkrankheiten. Im Vergleich zu anderen Weinregionen an Schweizer Seen wie dem Neuenburgersee oder Bielersee, die ebenfalls vom Einfluss der Seen profitieren, entstehen am Thunersee in Kombination mit der kühlen Bergluft ideale Bedingungen für feinfruchtige, ausgewogene Weine.

Die Böden bestehen aus Kalkstein, Mergel und sandiger Molasse – Gesteine, die sich hervorragend zur Wasserregulierung eignen. Diese Zusammensetzung verleiht den Weinen ihre typische Mineralität und Eleganz, wobei das Klima hier deutlich kühler ist als im Süden Europas, was sich auf den Charakter der Weine auswirkt.

Die Bedeutung des Terroirs

Das Terroir am Thunersee ist geprägt von Vielfalt: Kalkreiche Böden, steile Hänge und das milde Seeklima schaffen eine Umgebung, die ihresgleichen sucht. Die Reben wurzeln tief, was ihnen in trockenen Sommern Stabilität gibt, und das fein abgestufte Relief sorgt für eine optimale Sonneneinstrahlung.

Die Nähe zum Wasser bewahrt die Reben vor extremen Temperaturschwankungen. Dadurch reifen die Trauben langsam und gleichmässig – ein entscheidender Faktor für die Aromatik. In dieser Balance zwischen alpiner Frische und sonniger Wärme entstehen Weine mit Charakter, die sowohl Struktur als auch Eleganz besitzen.

AOC – Appellation d’Origine Contrôlée: Herkunft und Qualitätssiegel am Thunersee

Die AOC-Bezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée) ist für das Thunersee-Gebiet weit mehr als nur ein Label – sie ist ein Versprechen an die Liebhaberinnen und Liebhaber regionaler Weine. Nur Weine, die strenge Anforderungen erfüllen, dürfen dieses Qualitätssiegel tragen. Dazu gehören die Auswahl zugelassener Rebsorten wie Pinot Gris, Riesling Sylvaner und Cabernet Dorsa, der kontrollierte Anbau auf den charakteristischen Hängen der Region sowie eine sorgfältige Produktion, die von unabhängigen Experten überprüft wird.

Nahaufnahme eines reifen Traubenbündels an einer Rebe mit Weinberg und See im Hintergrund.

Die AOC garantiert, dass jeder Wein tatsächlich aus dem definierten Gebiet stammt und nach traditionellen wie modernen Methoden hergestellt wurde. Für Konsumenten bedeutet das: Sie können sich auf die Authentizität, den einzigartigen Geschmack und die hohe Qualität der Weine verlassen. Besonders die AOC-Weine vom Thunersee zeichnen sich durch ihre Frische, Eleganz und die typischen Aromen der jeweiligen Rebsorten aus. So wird jede Flasche zu einem Botschafter der Region und ihrer besonderen Weinbaukultur.

Geschichte des Weinbaus am Thunersee

Die Wurzeln des Weinbaus am Thunersee reichen weit zurück. Bereits im 15. Jahrhundert ist dokumentiert, dass entlang der sonnenverwöhnten Hänge zwischen Spiez und Oberhofen Reben kultiviert wurden, wobei die Region zum Kantons Bern gehört. Klöster, Adelsfamilien und später bürgerliche Betriebe legten kleine, aber sorgfältig gepflegte Rebflächen an, die oft terrassiert waren, um die Sonne optimal zu nutzen. Die Rebe spielte dabei eine zentrale Rolle in der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region.

Menschen ernten Trauben in terrassierten Weinbergen mit Blick auf einen See und eine Burg in den Bergen.

Die Entwicklung der Hektaren Reben und die Ausdehnung der Flächen am Thunersee spiegeln die Bedeutung des Weinbaus für die Region wider. Im 19. Jahrhundert litt der Weinbau unter dem Druck von Importweinen und der Reblaus, wodurch viele Parzellen aufgegeben wurden und ein deutlicher Rückgang der Rebflächen zu verzeichnen war. Erst ab den 1980er Jahren setzte eine Renaissance ein: engagierte Winzerinnen und Winzer erkannten das Potenzial des einzigartigen Seeklimas und begannen, mit modernen Methoden und regionalem Bewusstsein den Weinbau neu zu beleben.

Heute gilt der Thunersee als eines der aufstrebenden Gebiete der Deutschschweiz – klein in der Fläche, aber gross in der Qualität.

Rebsortenvielfalt rund um den Thunersee

In der Weinbauregion Thunersee dominiert der Pinot Noir, der hier seine feinste Form findet. Der Blauburgunder, wie er in der Deutschschweiz genannt wird, gedeiht hervorragend auf den kalkhaltigen Hängen der Region. Er zeigt sich in Spiez und Umgebung besonders elegant, mit einer klaren Struktur, reifen Beerenaromen und feinen Tanninen. Die Sortenwahl spielt dabei eine entscheidende Rolle für die hohe Qualität der Weine am Thunersee.

Neben dem Pinot Noir haben Weissweine wie Riesling-Sylvaner, Müller-Thurgau, Chardonnay, Pinot Gris und Sauvignon Blanc einen festen Platz. Diese Sorten profitieren vom Zusammenspiel aus Sonne, See und Bergluft. Besonders der Riesling-Sylvaner überzeugt mit Frische, Zitrusnoten und lebendiger Säure.

Nahaufnahme eines reifen Traubenbündels der Rebsorte Pinot Gris in einem Weinberg am Thunersee.

Auch Spezialitäten wie Räuschling, Elbling oder Cabernet Jura finden sich vereinzelt und verleihen der Region ihre experimentelle Note. Darüber hinaus werden innovative und pilzwiderstandsfähige Sorten wie Johanniter, Regent, Solaris und Ligerz angebaut, die die Sortenvielfalt weiter bereichern. Ein aktueller Trend geht dabei klar zu pilzwiderstandsfähigen und regionalen Rebsorten, die nachhaltigen und modernen Weinbau ermöglichen. Diese Sortenvielfalt zeigt den Mut der Winzerinnen und Winzer, Neues auszuprobieren, ohne die regionale Identität zu verlieren und unterstreicht die beeindruckende Vielfalt des Weins in der Region.

Der Geschmack der Region

Die Weine vom Thunersee tragen die Landschaft im Glas. Der Pinot Noir besticht durch feine Fruchtaromen von Kirsche, Himbeere und etwas Würze, ergänzt durch eine elegante Säure und einen langen, mineralischen Nachhall.

Die Weissweine – allen voran Riesling-Sylvaner und Müller-Thurgau – zeigen eine lebendige Struktur mit Noten von grünem Apfel, Zitrus und weissen Blüten. Sie wirken leicht, präzise und sind hervorragende Begleiter zu Fisch und Käse.

Auch Roséweine erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Ihr Duft von roten Beeren und ihre zarte Farbe machen sie ideal für warme Sommertage – ein Spiegelbild der Lebensfreude der Region.

Handwerk und Passion

Der Weinbau am Thunersee ist geprägt von kleinen Familienbetrieben, die ihre Arbeit mit Herzblut betreiben. Viele von ihnen sind seit Generationen im Rebbau tätig. Tradition und moderne Technik gehen Hand in Hand: Während im Rebberg noch vieles von Hand geschieht, setzen die Winzer im Keller auf präzise Temperatursteuerung und schonende Vinifikation. Neue Ideen und innovative Ansätze, etwa bei der Auswahl von Rebsorten oder Anbaumethoden, tragen dazu bei, den Weinbau am Thunersee weiterzuentwickeln und die Region zu modernisieren.

Diese Verbindung von Erfahrung und Innovation sorgt für Weine, die ehrlich und unverfälscht sind. Jeder Jahrgang erzählt seine eigene Geschichte – vom Klima, von der Geduld der Winzer und von der Schönheit der Landschaft.

Nahaufnahme von reifen weißen Trauben an einem Weinstock in einem Weinberg, im Hintergrund eine Person bei der Ernte.

Die Rebbau Spiez Genossenschaft

Im Herzen der Weinbauregion Thunersee liegt das bekannteste Weingut der Region: die Rebbau Spiez Genossenschaft. Sie wurde 1933 gegründet und bewirtschaftet heute rund elf Hektar Rebfläche an den steilen Südhängen oberhalb des Sees. Die Flächen der Genossenschaft umfassen insgesamt etwa elf Hektaren Reben, was die Bedeutung und das Potenzial des Weinbaus in dieser Region unterstreicht.

Die Spiezer Weinberge gehören zu den spektakulärsten der Schweiz. Die Terrassen liegen in einer bis zu 40-prozentigen Steigung, was die Pflege der Reben zu echter Handarbeit macht. Hier zählt jeder Handgriff – vom sorgfältigen Laubschnitt bis zur selektiven Lese.

Hände, die an Rebstöcken in einem Weinberg arbeiten, umgeben von grünen Blättern.

Bekannte Weine wie der Spiezer Pinot Noir, der Riesling-Sylvaner und der Müller-Thurgau tragen das Qualitätslabel „Spiezer“ und stehen für Präzision, Handwerk und Regionalität. Diese Weine zeichnen sich durch ihre Frische, Klarheit und Harmonie aus und sind weit über die Grenzen des Berner Oberlands hinaus bekannt. Strenge Kontrollen bei der Produktion und Verarbeitung sichern dabei die gleichbleibend hohe Qualität der Spiezer Weine.


Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Weinbauregion Thunersee

Wo liegt die Weinbauregion Thunersee?

Die Weinregion Thunersee liegt im Kanton Bern, im Berner Oberland. Die wichtigsten Rebflächen befinden sich rund um Spiez, Thun und Oberhofen.

Welche Rebsorten werden am Thunersee angebaut?

Hauptsächlich werden Pinot Noir, Riesling-Sylvaner, Müller-Thurgau und Pinot Gris kultiviert. Ergänzend findet man auch Chardonnay, Cabernet Jura und einige seltene Sorten wie Räuschling und Elbling.

Was zeichnet die Weine vom Thunersee aus?

Sie verbinden alpine Frische mit eleganter Frucht. Das Seeklima und die kalkhaltigen Böden verleihen den Weinen Leichtigkeit, feine Mineralität und einen klaren, präzisen Geschmack.

Kann man Weingüter in der Region besuchen?

Ja. Besonders die Rebbau Spiez Genossenschaft bietet Führungen und Degustationen an. Besucher können die Rebterrassen besichtigen und mehr über die Geschichte und Herstellung der Spiezer Qualitätsweine erfahren.

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