Gamaret: Herkunft und Neuzüchtung
Gamaret ist eine Schweizer Neuzüchtung mit klarem Ziel: mehr Farbe, mehr Struktur und höhere Resistenz im Weinbau. Die Rebsorte entstand als Kreuzung aus Gamay und Reichensteiner an der Eidgenössischen Forschungsanstalt Changins. Verantwortlich für die Züchtung waren unter anderem André Jaquinet und Dominique Maigre im Forschungszentrum Pully. Gamaret wurde 1970 von André Jaquinet und Dominique Maigre am Agroscope Forschungszentrum in Pully entwickelt.
Die Arbeit an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Pflanzenbau verfolgte das Ziel, robuste Reben für unterschiedliche Bodenarten und klimatische Bedingungen zu entwickeln. Gamaret wurde als robuste Spezialität gezüchtet, um eine Alternative zu Gamay oder Pinot Noir zu bieten. Die Kreuzung erfolgte explizit zwischen der roten Sorte Gamay und der weissen Reichensteiner. Mara gilt als Schwesterrebe von Gamaret, da sie aus denselben Elternsorten gezüchtet wurde. Gamaret wurde nach umfangreichem Versuchsanbau auf zahlreichen Parzellen geprüft. Der offizielle Eintrag in die Schweizer Sortenliste erfolgte 1991, und die Anerkennung für den kommerziellen Verkauf wurde bereits 1990 erteilt. Der Sortenschutz erfolgte 1990, seither wächst die Bedeutung dieser Traubensorte stetig.

Forschung, Agroscope und Schweizer Anbau
Die Eidgenössischen Forschungsanstalt Changins, heute Teil von Agroscope, spielt eine zentrale Rolle in der Rebsortenforschung. Gamaret ist ein Resultat langfristiger Feldversuche, bei denen Resistenz gegen Botrytis cinerea und Grauschimmelfäule eine wichtige Rolle spielte. Gerade im Schweizer Klima ist diese Resistenz ein klarer Vorteil. Die hohe Resistenz gegen Botrytis cinerea macht Gamaret besonders bei Produzenten beliebt. In der Schweiz wird Gamaret auf etwa 434 Hektar angebaut, vor allem in den Kantonsgebieten Waadt, Genf und Wallis.
In der Schweiz findet man Gamaret hauptsächlich in der Westschweiz (Waadt, Genf, Wallis), wobei sich die Anbauflächen auf das gesamte Kantonsgebiet dieser Regionen verteilen. Auch kleinere Flächen existieren in Deutschland, etwa im Anbaugebiet Württemberg, sowie vereinzelt im Beaujolais. Dennoch bleibt Gamaret eine klar mit der Schweiz verbundene Sorte, deren Beliebtheit bei Winzer und Produzenten stetig steigt.

Foto: Christian Pfamatter, Weinberge rund um Salgesch, Wallis
Rebsorte Gamaret im Profil
Gamaret reift früh und zeigt eine gute Resistenz gegen Botrytis cinerea. Pro Trieb bildet Gamaret meist mehrere lockere Trauben aus, was sowohl den Ertrag als auch die Qualität des Weins beeinflusst. Die lockerbeerigen Trauben sind dunkel und liefern eine intensive Farbe mit tiefen Reflexen im Glas. Die Beeren verfügen über eine stabile Haut, was die Reife positiv beeinflusst.
Im Vergleich zu Gamay bringt Gamaret mehr Farbintensität und kräftigere Tanninen. Gegenüber Pinot Noir wirkt sie strukturierter und dunkler. Die Säure bleibt ausgewogen, während das Bouquet dunkle Beeren, Gewürznoten und einen Hauch von Pfeffer zeigt. Gamaret-Wein ist bekannt für seine tiefrote Farbe und die Aromen von Gewürzen, die ihm eine besondere aromatische Komplexität verleihen.
Die Aromen erinnern an Brombeeren und schwarze Johannisbeeren. Am Gaumen zeigt sich Kraft, jedoch ohne übertriebene Schwere. Gamaret-Weine zeichnen sich durch eine gute Lagerfähigkeit aus und können mehrere Jahre reifen. Die Struktur erlaubt sowohl reinsortige Weine als auch Assemblagen, wobei Gamaret häufig mit anderen Sorten wie Garanoir, Gamay oder Pinot Noir verschnitten wird.
Gamaret und Pinot Noir im Vergleich
Pinot Noir gilt als elegante, fein strukturierte Sorte. Gamaret hingegen setzt stärker auf Farbe und Tannin. Während Pinot Noir oft hellere Reflexen zeigt, wirkt Gamaret im Glas deutlich dunkler.
In Assemblagen ergänzt Gamaret die Feinheit von Pinot Noir durch zusätzliche Tiefe. Mischverhältnisse zwischen 30 und 70 Prozent sind keine Seltenheit, abhängig vom Ziel der Cuvée. Das Zusammenspiel von Frucht, Säure und Tanninen verleiht solchen Weinen besondere Harmonie.

Weinbereitung und Ausbau
Im Ausbau zeigt sich Gamaret vielseitig. Neben klassischer Maischegärung ist auch die Kohlensäuremaischegärung eine Option, um Frucht und Frische hervorzuheben. Viele Winzer setzen auf Holzausbau, um Struktur und Gewürznoten zu unterstreichen.
Barrique oder grössere Holzfässer verleihen zusätzliche Tiefe. Gleichzeitig bewahrt der kontrollierte Ausbau die typischen Aromen der Sorte. Ertragsbegrenzung im Weinberg bleibt eine wichtige Regel, um Qualität statt Menge zu fördern.
Gamaret als Speisenbegleiter
Gamaret ist ein ausgezeichneter Begleiter zu Fleischgerichten. Rind mit kräftiger Sauce harmoniert mit der Struktur und den Tanninen. Auch Lamm mit Kräutern profitiert von den würzigen Aromen des Weins.
Zu Wildgerichten entfaltet Gamaret seine volle Kraft. Die dunkle Frucht ergänzt das intensive Fleisch, während die Säure für Balance sorgt. Selbst zu grilliertem Fleisch mit Röstaromen bleibt die Rebsorte präsent.
Kräftige Käsevarianten oder gereifte Hartkäse passen ebenfalls gut. Die Tanninen binden das Fett, während das Bouquet zusätzliche Komplexität schafft. In Kombination mit Pilzgerichten entsteht eine harmonische Verbindung von Erdigkeit und Frucht.

Verbreitung, Bedeutung und Zukunft
Gamaret ist eine moderne Rebe mit klarer Identität. Ihre Verbreitung bleibt zwar begrenzt, doch innerhalb der Schweiz besitzt sie eine feste Stellung. Die Flächen sind überschaubar, was zur Exklusivität beiträgt.
Die Neuzüchtung hat sich als widerstandsfähig und vielseitig erwiesen. In Zeiten des Klimawandels gewinnt die Resistenz gegen Krankheiten an Bedeutung. Gamaret verbindet Forschung, Tradition und Innovation auf einer Seite.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Gamaret
Was ist Gamaret?
Gamaret ist eine Schweizer Rebsorte, entstanden aus einer Kreuzung von Gamay und Reichensteiner an der Eidgenössischen Forschungsanstalt Changins in Pully.
Wie schmeckt Gamaret?
Gamaret zeigt dunkle Beerenaromen, würzige Noten, kräftige Tanninen und eine ausgewogene Säure. Die Farbe ist intensiv und dunkel.
Ist Gamaret mit Pinot Noir verwandt?
Gamaret ist keine direkte Kreuzung mit Pinot Noir, wird jedoch häufig mit Pinot Noir in Assemblagen kombiniert, um Struktur und Eleganz zu verbinden.
Wo wird Gamaret angebaut?
Hauptanbaugebiete sind die Waadt, Genf und das Wallis in der Schweiz. Kleinere Bestände finden sich in Deutschland und im Beaujolais.